Venedig im Schnee

Komödie von Gilles Dyrek

Es beginnt ganz harmlos: Nathalie und Jean-Luc sind seit knapp vier Jahren ein Paar, aber immer noch so verliebt wie am ersten Tag. Gerade sind sie in eine Pariser Altbauwohnung gezogen, die sie aufwendig renovieren. Für den Abend erwarten sie Besuch, denn Jean-Luc hat seinen früheren Kommilitonen Christophe wieder getroffen und ihn samt seiner Freundin Patricia zum Essen eingeladen. Während die heftig turtelnden Gastgeber das Essen vorbereiten und nebenbei ihre anstehende Traumhochzeit planen, merken sie nicht, dass bei Christophe und Patricia Eiszeit herrscht. Die beiden haben sich auf dem Weg gestritten, weshalb Patricia der Einladung nur mit großem Widerwillen folgt. Zu allem Überfluss strapazieren auch noch die dauerlächelnden Gastgeber mit ihrem ungenierten Austausch von Zärtlichkeiten und Kosenamen Patricias Nerven. Mit finsterer Miene sitzt sie am Tisch und schweigt. Schließlich fällt auch den notorisch fröhlichen Gastgebern auf, dass Patricia merkwürdig ruhig ist und kein Wort sagt. Jean-Luc und Nathalie kommen daher zu dem Schluss, dass Patricia eine Ausländerin sein muss und ihre Sprache nicht versteht! Als Patricia das Missverständnis begreift, klärt sie den Irrtum nicht auf, sondern erfindet eine Fantasiesprache und behauptet, ein illegal eingewanderter Bürgerkriegsflüchtling zu sein. Während Christophe angesichts dieser grotesken Lüge seiner Freundin vor Scham im Boden versinken möchte, bereitet Patricia das Verwirrspiel sichtlich Vergnügen. Am Ende läuft der Abend völlig aus dem Ruder und es bröckelt nicht nur die zuckersüße Fassade des Traumpaares Jean-Luc und Nathalie…

Gilles Dyreks »Venedig im Schnee« wurde 2003 in Paris uraufgeführt und brach in Frankreich alle Besucherrekorde. Im Frühjahr 2017 wurde der Stoff zudem für das französische Kino adaptiert. Angesichts der Flüchtlingskrise gewinnt das Stück neue Brisanz, denn es entlarvt fast nebenbei gängige Vorurteile gegenüber Ausländern, ebenso wie eine scheinheilig zelebrierte Solidarität mit Notleidenden.


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