Richard III.

Schauspiel von William Shakespeare

»Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens / Glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks.« Vorübergehend ruhen die Rosenkriege zwischen den Häusern Lancaster und York, zwischen deren blutigen Kämpfen England seit Jahrzehnten zerrieben wird. Richard Gloster hat geholfen, den vorigen König Heinrich VI. zu ermorden und seinen eigenen Bruder Edward IV. auf den Thron zu setzen. Doch er, daraus macht Richard keinen Hehl, kann mit der »schlaffen Friedenszeit« nichts anfangen. Denn er ist missgestaltet, taugt weder für die Liebe noch für andere Vergnügungen und sucht seine Bestätigung in der Macht, die er mit Bosheit und Intrigen erobern will. Sein Plan: Er wird seinen Bruder Edward, den derzeitigen König, und seinen anderen Bruder Clarence, den nächsten in der Thronfolge, gegeneinander aufhetzen, so dass keiner von beiden überlebt. Anschließend wird er deren Nachkommen auslöschen, bis schließlich er die Krone trägt – als Richard III. von England.
Von Anfang an, und das ist das Raffinierte an ­Shakespeares dramatischer Zuspitzung des his­to­rischen Stoffes, macht Richard Gloster das Publikum zum Mitwisser seiner heimtückischen Pläne. Gegenüber seinen potentiellen Opfern beherrscht er die Kunst der Verstellung so perfekt, dass einer nach dem anderen auf ihn hereinfällt. Er, der die Liebe nie kennengelernt hat, wählt Frauen nur aus machtpolitischem Kalkül. Willfähriger Wegbereiter seiner Komplotte ist der Herzog von Buckingham, der selbst ein Stück vom Kuchen der Macht abbekommen möchte. Doch auch dem werden die Grausamkeiten Richards eines Tages zu viel. Selbst Richards eigene Mutter, die Herzogin von York, verflucht den Schoß, aus dem ihr »Sohn-Ungeheuer« gekrochen ist. Er hat keine Freunde, keine Verbündeten, nur Leute, die ihm folgen müssen. Das kann nicht lange gut gehen.
»Richard III.«, um 1592/93 verfasst, ist eines der frühen Werke Shakespeares und gilt als Meisterstück unter den Königsdramen. Mit dem Titelhelden hat der Autor eine der diabolischsten Figuren des Theaters geschaffen. Den machtbesessenen Zukurzgekommenen, den grandiosen Marionettenspieler, der, weil er wegen seiner Makel nicht Teil der glücklichen Gesellschaft werden kann, sie unbedingt beherrschen will. Die Faszination des Stückes besteht bis heute darin, allgemeingültige Mechanismen eines Machtkampfes aufzuzeigen – Hinterzimmerpolitik, Manipulation der Massen, Intrigen zum geschickten Ausschalten von Gegnern. Richards Aufstieg und Fall ist erschreckend aktuell. »Denn die Despoten und ungehobelten Alleinherrscher, für deren Machtgier kein Preis hoch genug zu sein scheint, begegnen uns heute allerorten.« (DIE ZEIT)


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